Mercedes schickt den neuen E zu AMG. Das Ergebnis: V6-Biturbo, über 400 PS und Allrad. Aber haben sie auch Spaß reingepackt?  

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Was ist das?

Sieht verdammt stark nach E-Klasse aus, oder? Ist es auch, aber keine ganz normale. Weil: AMG streut erstmals seinen Performance-Zucker auf Daimlers neue Über-Businessklasse. Und das glücklicherweise nicht nur mit ein paar schickeren Schürzen und roten Streifen auf den Sitzen. Das hier ist ziemlich seriöses Zeug. Sagt Hallo zum Mercedes-AMG E 43.

 

Hä, hieß das Ding sonst nicht immer E 63?

Der ganz große Brummer kommt auch noch. Vermutlich gegen Ende des Jahres oder Anfang 2017. Bis dahin muss uns der 43er bei Laune halten. Merkt es euch einfach so: Audi hat den S6 und den RS 6, Mercedes hat jetzt den E 43 und den E 63.

 

Aber es ist ein V8 ...

Aaaah, ich weiß, ihr wollt einen V8, aber ihr kriegt leider keinen. Die Abteilung Unterhaltung übernimmt im E 43 ein 3,0-Liter-Biturbo-V6. Ihr kennt ihn vermutlich aus der C-Klasse, dem SLC und all den SUVs, die Mercedes derzeit im Wochen-Rythmus auf den Markt wirft.

Aber keine Sorge, es handelt sich hier um einen ziemlich properen Burschen. In der E-Klasse kriegt er zwei größere Turbos und ein bisschen mehr Ladedruck. Damit steigt die Leistung von sehr ordentlichen 367 auf ziemlich alamierende 401 PS. Das Drehmoment liegt bei 520 Newtonmeter.

Große Zahlen, die für viele weitere schöne Zahlen sorgen: Von 0-100 km/h geht es im E 43 T-Modell in 4,7 Sekunden (die E 43 Limousine ist eine Zehntel schneller), die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 250 km/h begrenzt. In Anbetracht von 1930 Kilo Leibesfülle ist das erschreckend zügig. Und es korrespondiert ziemlich genau mit dem, was du so fühlst, wenn du das rechte Pedal Richtung Spritzwand drückst.

Geht er wenigstens quer?

Vermutlich wird er das irgendwann tun. Vorausgesetzt, du hast Tonnen an Platz, sehr solide fahrerische Fähigkeiten und genug Heldenhaftigkeit, um diesen Dampfer bei ziemlich absurden Geschwindigkeiten in die Kurve zu werfen.

Ihr ahnt es schon, der AMG E 43 hat Allrad. Mit einer eher hecklastigen Verteilung von 31 zu 69 Prozent, aber Allrad. Herrje, ich weiß: Eine Enttäuschung jagt die nächste ... 

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Also ist er fad ...

Nicht so schnell. Fahrt ihn erstmal und ihr werdet ziemlich schnell ziemlich begeistert sein.

Das fängt schon beim Reinsetzen an. Das fast schon dekadente E-Klasse-Interieur? Klar, gibt es natürlich auch hier. Angereichert um ziemlich tolle Sportsitze (es gibt auch Schalen-Gestühl), einige metallisch flackernde Oberflächen, Alupedale und ein wundervolles Leder-Alcantara-Lenkrad.

Der Biturbo-V6 ist ein überraschend charismatscher und wilder Hund. Sauschnell, von weit unten bis ganz nach oben mächtig und gierig. Das ganze passiert bei cruisigen Drehzahlen im Comfort-Modus leise, entspannt, ja fast unauffällig. Aber gib dem Affen etwas Zucker (sprich: tritt ihn ordentlich und dreh in schön aus) und plötzlich fängt der E 43 an zu singen. Vor allem in "Sport Plus" wird es dann richtig zünftig.

Klar, alles, was hier passiert, kommt aus dem Auspuff und ist elektronisch so gewollt, aber wer bei dem ganzen Geschreie, Gespratze und Geploppe keine Freude hat, der lacht wohl auch sonst eher selten. Genug Motivation, um den 43er ein ums andere Mal ins 6200er-Drehzahllimit rauschen zu lassen, ist also durchaus vorhanden. Und das Schöne ist: Die von AMG auf mehr Tempo frisierte Neungang-Automatik lässt dich im manuellen Modus auch ungeniert in den Begrenzer knallen, wenn du deine Schaltpunkte verschläfst. Das macht dich vielleicht nicht unbedingt schneller, aber dass der E 43 die Gänge hält, ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass AMG auch in einem sehr großen Auto an seine Performance-Pappenheimer denkt.

Geht er auch ums Eck, wie sich das für einen AMG gehört?

Eins gleich mal vorneweg: Trotz der 31:69er-Kraftverteilung fühlt sich der E 43 nicht wirklich heckgetrieben an. Keine Spur der rutschigen Rauchschwaden-Maschine E 63. Eher sehr viel Traktion und allzeit lupenreiner Vortrieb. Ist ja auch nicht unbedingt das Schlechteste bei den gegebenen Ausmaßen.

Das überarbeitete Mehrkammer-Luftfahrwerk (neue Achsschenkel, etwas straffer, mehr Negativsturz) macht trotz der Straffung genau das, wofür man es so liebt: Fantastisch federn. Jap, auch der E 43 umschmeichelt dich mit Komfort und zwar unabhängig von den diversen Fahrmodi.

Die andere Seite beherrscht der Dicke aber auch. Überraschend gut sogar. Im Vergleich zu den übrigen E-Klassen (und den meisten anderen Business-Schiffen) ist das hier deutlich verbindlicher, was Einlenkverhalten, Körperkontrolle, Wankneigung und generelle Agilität angeht. Ja, dieses Auto fühlt sich tatsächlich irgendwie handlich an.

Leider war es nicht so ganz glücklich, dass unsere Testroute aus einem Haufen sehr kleiner und fürchterlich enger Landsträßchen bestand. So richtig Lust, den 43er bis zum letzten Tropfen auszuwringen, kriegte man auf dem pygmäenhaften Teer nämlich nicht. AMG kann verdammt viel, aber aus einem fast fünf Meter langen, fast zwei Tonnen schweren Kombi einen skalpellösen Kurvenverschlinger machen, können auch sie nicht. Man spürt einfach die Breite, das Gewicht. Keine Frage: Dieser Einstiegs-AMG liegt bemerkenswert satt, ist präzise und jederzeit verflucht schnell, aber auf der Bremse oder bei plötzlichen Ausweichmanövern (die Straßen waren wirklich eng) merkt man die Opulenz dann schon.

Soll ich ihn kaufen?

Wenn dich der Gedanke an einen extrem unauffälligen, brachial anschiebenden 400-PS-Lademeister anmacht, dann nimm die Beine in die Hand und plündere dein Konto.

Wenn du auf rauchige, driftige Unvernunft stehst oder auf V8-Klänge, die ganze Häuserzeilen einreißen, dann warte auf den vermutlich über 600 PS starken E 63. Der dürfte allerdings locker über 35.000 Euro mehr verschlingen, denn die E 43 Limousine startet bei 75.089 Euro (das E 43 T-Modell dürfte rund 3000 Euro mehr kosten).

Alternative gefällig? Gar nicht so leicht. Audis 450 PS starker S6 ist vielleicht einen Tick weniger agil als der E 43 und kann in Sachen Hightech nicht mehr mithalten, kommt aber mit Biturbo-V8. Du willst viel zu schnell sein und Sprit sparen? Dann schau dir den BMW M550d xDrive mit 381-PS-Triturbo-Diesel an.

Autor: Stefan Wagner

 

Technische Daten Mercedes-AMG E 43 T-Modell: 2996 ccm, V6-Biturbo, Frontmotor, Allradantrieb, 9-Gang-Automatik, 401 PS, 520 Newtonmeter, 0-100 km/h in 4,7 Sekunden, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1930 Kilo, 8,4 Liter/100 km, 192 g/km CO2, Preis ca. 78.000 Euro

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