Turbo, Sauger oder Kompressor ... was kickt am meisten?

Autos mit Spaßfaktor: Hier geht es nicht um Power, Tempo oder Geld ... es geht um das Grinsen in deinem Gesicht

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der September/Oktober 2016-Ausgabe von TopGear Deutschland

Text: Ollie Marriage / Fotos. Mark Fagelson

 

Großartige Motoren machen Spaß – jeder weiß das. Aber der Spaß kommt in den verschiedensten Formen. Je nach dem, wie die Luft in den Zylinder wandert. Eingesaugt von den Kolben oder zusätzlich „motiviert“ durch Turbos oder Kompressoren. 


 

Der Kompressor-Schub der Hellcat ist wie ein Geburtstag, der nie aufhört. Ganz unten ist er heftig, aber gut nutzbar. Keine Wenns, keine Abers, keine Verzögerungen. Und so geht’s einfach weiter, bis zum roten Bereich.

Als ich die Hammerhead-Kurve quer nahm, kam ich beim Gegenlenken an den Lenkanschlag. Das ESP war noch an. Begleitet wird das großherzige V8-Geblubber von einem ziemlich ungezogenen Kompressor-Schreien, das sich kurzzeitig anfühlt, als würde jemand mit abgekauten Fingernägeln auf einem Ziegelstein abrutschen. Aber das ist okay, schließlich fühlt sich Kompressor-Aufladung grundsätzlich an, wie immer verfügbarer, kostenloser Extra-Hub­raum. Wie gut, dass die Hellcat nur 6,2 Liter hat.


 

Die natürlichen Supercar-Rivalen (was geht sonst schon so vorwärts wie die Hellcat?) sind aber der saugende Audi R8 plus und der turbo­befeu­erte Porsche 911 Turbo S. In einer Runde auf dem Dunsfold-Track nehmen sie sich nicht viel. Im oberen Drehzahldrittel sind die Reaktionen des Elfers verzögerungsfrei und er jagt fast genauso motiviert in den roten Bereich wie der Audi.

Die zehnköpfige R8-Band würde locker als Rock-am-Ring-Headliner durchgehen. Vor allem in voller 8700-Touren-Glorie. Und wie der Audi sich dorthin befördert – immer viriler, je weiter die Nadel klettert – ist absolut hypnotisch. Sogar bei niedrigen Drehzahlen ist der Klang grandios. Und die Rückmeldung ist unmittelbar, präzise und progressiv. Damit muss man sich dann aber auch zufrieden geben, denn die Performance untenrum ist durchaus limitiert: Bei 2000 U/min liegt nur knapp mehr als die Hälfte des Turbo-S-Drehmoments an.

Dafür hat der Turbo klanglich keinerlei Antworten auf den herrlichen Lärm des R8. Aber hau einfach das Pedal in den Boden und selbst unter 2000 Touren spendiert der Porsche eine Beschleunigung, die dein Hirn nur schwer verdauen kann. Kurz warten (Vorfreude), dann folgt eine Turbo-Sturzflut, die mit nichts zu vergleichen ist.

Großartige Motoren wirken also unabhängig vom Konzept. Was zählt, ist die Ausführung, nicht die Ansaugung. Lasst uns diese Drei also direkt in die Spaß-Hall-of-Fame „saugen“.

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