Wir durften den 2,1 Millionen Euro teuren und 770 PS starken Ausblick auf die Lambo-Zukunft bewegen ...

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Was haben wir denn hier?

Es ist der 2,1 Millionen Euro teure Lamborghini Centenario. Ein Auto, das gebaut wird, um den 100. Geburtstag des Firmengründers Ferruccio Lamborghini zu feiern. Außerdem ist das Fahrzeug ein rollendes Testlabor für die nächste Generation der Sant´Agata-Hypercars.

Geht es bei Spezial-Lambos nicht eher um Stil als um Substanz?

Wohl wahr und Lamborghini hat ein Händchen dafür, Fahrzeuge zu bauen, die auf Messen zuerst die Kinnlade öffnen und dann die Schlagzeilen beherrschen. So sah jedenfalls die Marketingstrategie der letzten Jahre aus. Und ja, die Zahl der „limitierten Sonderserien“ ist bedrohlich stark angestiegen – trotz nur marginaler Technikveränderungen. Aber der Centenario ist anders ...

Wie kommts?

Beim Centenario handelt es sich um das letzte Fahrzeug, das unter Stephan Winkelmann präsentiert wurde, bevor er zur quattro GmbH ging (oder gegangen wurde) und Ex-Ferrari-Formel-1-Boss Stefano Domenicali das Ruder bei Lamborghini übernahm. Deshalb seht ihr auf den obigen Bildern nicht nur ein gewaltiges Geburtstagsgeschenk, sondern auch die mögliche Technik-Richtung für zukünftige Lamborghinis.

Bitte sagt mir, dass es sich nicht um einen Hybrid handelt ...

Nein, keine Sorge, der Centenario wird von einem mächtigen 6,5-Liter-V12 angetrieben. Die Leerlaufdrehzahl liegt bei 850 Touren und der rote Bereich beginnt bei 8600 Umdrehungen. Das Aggregat produziert 770 PS und 690 Newtonmeter Drehmoment. Von 0-100-km/h vergehen 2,8 Sekunden, die 300-km/h-Marke ist nach 23,5 Sekunden erreicht.

Aber es geht nicht nur um Power, es geht auch um Aerodynamik. An der Fahrzeugfront generiert ein aggressiv ausschauender Splitter sehr viel Abtrieb. Er leitet den Luftstrom über und unter das Fahrzeug. An den Fahrzeugflanken übernehmen zwei Sideblades diese Aufgabe. Am Heck arbeitet der Centenario mit einem um 150 Millimeter herausfahrbahren Flügel, der nicht nur einen gewaltigen Venturi-Effekt erzeugt, sondern bei 280 km/h für einen Abtrieb von 227 Kilogramm sorgt.

Ganz schön clever, aber was ist mit der Zukunftstechnik?

Der Centenario ist der erste Lamborghini, der mit einer Hinterradlenkung ausgestattet ist. So erhöht der Hersteller bei niedrigen Geschwindigkeiten die Manövrierbarkeit und bei hohem Tempo die Stabilität. Obwohl hier mehr Technik als in einem Aventador verbaut ist, wiegt der Centenario lediglich 1520 Kilogramm, das sind 55 Kilo weniger als ein Aventador auf die Waage bringt.

Es ist die Mischung aus Hightech-Materialien, Aerodynamik und der Technikentwicklung, die diese Zahlen hervorbringt. Außerdem ist der Centenario mit einem 10,1-Zoll-Bildschirm ausgestattet, der nicht nur das Infotainment-System beheimatet, sondern auch die aufgezeichneten Telemetrie- und Fahrdaten anzeigen kann. Ihr könnt euch nicht verstecken ...

Und die Testfahrt? Eine Schleichfahrt auf einem Parkplatz nehme ich an?

Nicht wirklich. Nach unglaublich vielen Sicherheitseinweisungen durften wir auf die Teststrecke in Nardò. Also die Hochgeschwindigkeitspiste, auf der die VW AG ziemlich schnelle Fahrzeuge entwickelt. Man kommt hier her, um in der Über-300-km/h-Zone zu testen und der Centenario erreicht nun mal eine Höchstgeschwindigkeit von 350 km/h. Es war also kein langsamer Tag. Ein Tag der Konzentration. Man will ja schließlich im Genpool bleiben.

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Wie fährt er sich?

Wie es bei Lamborghini so üblich ist, hatten wir ein paar unterschiedliche Fahrzeuge zur Auswahl. Weil der Hersteller ein wenig Feedback von den neuen Systemen im Centenario erhalten wollte, hat man zum Vergleich einen „normalen“ Aventador sowie eine SV-Version im Gepäck gehabt, die mit einem früheren System der Hinterradlenkung ausgerüstet war.

Für den Anfang wählten wir den Aventador, um uns anschließend auf der Verrücktheitsskala nach oben zu arbeiten. Auf die Strecke ging es unter den Anweisungen von Lamborghini-Testfahrer Mario Fasanetto in einem SV. Auf den ersten Runden im Aventador mussten wir hart arbeiten, um an der Gruppe dranzubleiben und wir begannen, an unseren Fähigkeiten zu zweifeln. Der Wagen lässt sich bei hohen Geschwindigkeiten am besten als „herausfordernd“ beschreiben.

Nach einer kurzen Kaffeepause hüpfen wir in den SV mit Hinterradlenkung und schon war es deutlich leichter, mit dem Centenario mitzuhalten. Das Lenksystem macht einen großen Unterschied bei der Fahrzeugstabilität. Alles wird vorhersehbarer und mit deinem Selbstbewusstsein steigt anschließend auch die Geschwindigkeit.

Wie ich bereits fragte: Und wie fährt sich der Centenario nun?

Mit zurückerobertem Selbstbewusstsein klettern wir in den sehr ähnlich anmutenden Centenario-Innenraum. Nur 40 Exemplare werden gebaut und es ist wirklich schwierig zu bestimmen, wie sich das Innere eines 2,1 Millionen Euro teuren Wagens anfühlen muss, doch der Centenario scheint nah dran zu sein. Ausschlaggebend dafür ist wohl auch der neue Bildschirm, der den Großteil der Mittelkonsole einnimmt. Mit scharfen Grafiken werden dort die typischen Infotainment-Inhalte visualisiert und gleichzeitig Rundenzeiten, die Gangwahl, die Gaspedalstellungen und die Bremspunkte aufgezeichnet. All diese Werte werden danach vom Lamborghini-Entwicklungsteam gesichtet und ausgewertet. Bloß kein Druck aufbauen ...

Um den Centenario zu starten, müsst ihr die Sicherheitsklappe über dem Startknopf öffnen (das wird einfach nie langweilig) und ihn drücken, schon erwacht der V12 zum Leben. Dieser Motor klingt mit seinen tiefen Basstönen irgendwie noch brutaler und potenter, als wir die erste Gerade hinter Mario in seinem SV nehmen.

Der SV war schon besser als der normale Aventador, doch der Centenario bietet ein noch runderes und kompletteres Paket. Wir befinden uns im Corsa-Modus und bei der ersten fliegenden Runde stehen beim 100-Meter-Bremspunkt 277 km/h auf dem Tacho. Bremsen, einen Gang runterschalten und schon geht es in die Hochgeschwindigkeitslinkskurve, die auf einen sehr engen Scheitelpunkt zuläuft … an diesem Punkt solltet ihr noch mehr Geschwindigkeit verloren und nochmals drei Gänge runtergeschaltet haben.

Bei diesem Übergang bleibt der Centenario wunderbar stabil und die Aerodynamik an Front und Heck zaubern regelrecht – und zwar zusammen mit dem Heckflügel und den magnetologischen Dämpfern. Es macht süchtig.

Auf dem gesamten 6,2-Kilometer-Handlingkurs mit seinen 16 Kurven kommuniziert der Centenario mit uns: Wenn ihr im Corsa-Modus zu schnell in eine enge Kurve einfahrt, dann kann der Wagen untersteuern, wenn ihr ihn dann aber über den Scheitelpunkt in den Kurvenausgang laufen lasst, müsst ihr grinsen … breit.

Im Sport-Programm ist der Centenario nicht mehr so fokussiert und er wird fast noch spaßiger. Ihr wollt mit einem 1,75-Millionen-Euro-Hypercar driften? Dann ist das euer Modus. Während die Runden nur so an uns vorbeiziehen, lernen wir, dem Centenario zu vertrauen. Sehr ungewöhnlich bei einem Auto, das so selten und so teuer ist. Ihr gewöhnt euch an die Fähigkeiten der Aerodynamik und mit jedem Mal wachsen der Mut und die Geschwindigkeit.

Wo der Aventador eure Bemühungen beschneidet, will der Centenario, dass ihr ihn noch härter rannehmt, das ihr noch härter arbeitet und das ihr gemeinsam die Regeln der Physik verschiebt. Die überarbeitete Gangbox wechselt die Fahrstufen schneller als ein Maschinengewehr die Patronen – aber ohne die Wildheit eines SV-Getriebes. Die Bremsen sind spektakulär. Wir hätten gerne etwas mehr Feedback im Pedal, doch diese persönliche Vorliebe lässt sich vor der Auslieferung einstellen. Also: Lamborghini zeigt mit dem Centenario, dass man immer noch richtig gute Hypercars bauen kann. Autos, denen Respekt gebührt.

Wünscht ihr euch, einer der 40 neuen Besitzer zu sein?

Auf jeden Fall. Auch wenn der Großteil der 40 glücklichen Menschen nie das volle Potenzial des Autos herausfinden werden, war es doch schön, für einen Morgen ein bisschen Lamborghini-Entwicklungsfahrer zu spielen. Es war ein echtes Privileg.

Viel wichtiger ist allerdings, was die Fähigkeiten des Centenario über die zukünftigen Lamborghini-Fahrzeuge aussagt: Sie zeigen eine großartige Zukunft mit hochmodernen Technologien. Der Centenario ist (wie bereits erwähnt) ein rollendes Testlabor für die nächste Aventador-Generation und repräsentiert das Ende der Winkelmann-Ära und das Ende eines Jahrhunderts voll von erstrebenswerten Fahrzeugen. Doch gleichzeitig stößt er mit Pauken und Trompeten Lamborghini in das nächste Jahrhundert der Firmengeschichte ...

Autor: TopGear

Technische Daten Lamborghini Centenario: 6498 ccm, V12-Benziner, Heckmotor, Allradantrieb, 770 PS, 690 Newtonmeter, 0-100 km/h in 2,8 Sekunden, 350 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1520 Kilo, 16 Liter/100 km, 370 g/km CO2, Preis ca. 2,1 Millionen Euro

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