Mehr Dampf, ein dickes Fahrwerks-Upgrade … und sehr viel Folie: Wird Audis Über-Hatch endlich richtig aufregend?

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Was ist dieses überaus tiefe, eigenartig beflaggte Ding?

Das ist ein Audi RS 3 von Tuner RaceChip. Er mag ein wenig so aussehen, als wäre ein großer, Nagetier-affiner Baumarkt ins Motosport-Sponsoring eingestiegen, aber unterschätzt ihn bloß nicht, das hier ist ziemlich seriöses Zeug.

Wie seriös?

Nun, RaceChip erhöht die Leistung des 2,5-Liter-TFSI mit seiner sogenannten „Ultimate“-Box auf 410 PS und 520 Newtonmeter. Andere machen sicher deutlich mehr, aber hier kriegt ihr zwei Jahre Motorgarantie und weil nichts an der Peripherie (Lader, Einspritzdüsen et cetera) geändert wird, kostet der Spaß sehr überschaubare 699 Euro.

Außerdem könnt ihr die Leistung des Autos per Smartphone-App in gleich vier Stufen regulieren. Ziemlich nerdiges Zeug, aber irgendwie cool. Zumindest ich finde es deutlich sinnvoller, mit dem Handy nach Leistung statt nach Pokemons zu suchen.

Lass mich in Ruhe mit Pokemons. Was ist noch neu?

Abgesehen von den frivolen Folierungs-Festivitäten und der Super-Idee, die Leistungsdaten auf die Türen zu pinseln (einfach jeder liebt Menschen, die gerne zeigen, was sie haben), hat RaceChip vor allem beim Fahrwerk kräftig investiert. Und sie scheinen die richtigen Schlüsse gezogen zu haben, denn die getätigten Maßnahmen gehen alle in Richtung „weniger Untersteuern und generelle querdynamische … ähm ... Langeweile“.

Es gibt ein komplett einstellbares KW-Clubsport-Gewindefahrwerk, leichtere OZ-Räder, klebrige Michelin Supersports und gewagte 2,5 Grad Negativsturz an der Vorderachse. Außerdem hat man die monströsen 370-Millimeter-Serien-Stopper mit EBC-Belägen und Stahlflex-Leitungen verziert.

Und, haut alles hin? Oder gibt es nur blinkende Motorkontrolleuchten und schleifende Radkästen?

Das hier ist definitiv kein Hinterhof-Tuning. RaceChip ist der weltgrößte Chiptuning-Anbieter (!) und steckt einen Haufen Man- und Hirnpower in seine Produkte. Die Leistungskurve gleicht der originalen wie ein Ei dem anderen, nur ist das Ei jetzt halt ein bisschen größer.

Hau das Pedal in den Teppich, warte kurz (jap, der glorreiche Audi-Fünfzylinder liebt auch hier sein kleines Turboloch) und schau dann so ab 2700 Touren einfach zu, wie deine Gesichtszüge immer groteskere Formen annehmen.

 Dieses Auto ist zu jeder Zeit irritierend und angsteinflößend schnell. Wofür RaceChip jetzt nicht soo viel kann: Das ist der normale RS 3 auch und man muss schon ganz genau hinfühlen, um die paar Prozent mehr auf der Magenschwinger-Skala zu spüren. Die Messwerte verraten uns eine glatte Vier-komma-null für den 0-100-km/h-Sprint. Eine Verbesserung von 0,3 Sekunden gegenüber der Serie. Viel wichtiger für den eingefleischten quattro-Fan: Der kürzlich auf 381 PS gepushte Mercedes-AMG A 45 haut zwar an der Ampel fast alles andere weg, diesen RS 3 allerdings nicht. Der Benz ist bis 100 km/h 0,2 Sekunden langsamer. Halleluja!

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Okay, überraschenderweise ist er also schnell. Wie siehts mit Kurven aus?

Großartig. Wirklich.

Wie ihr vielleicht wisst, sind wir bei TopGear nicht die allergrößten RS-3-Fans. Klar, er beschleunigt dir das Hirn aus dem Schädel und hat mehr Traktion als eine Horde Mulis, aber er untersteuert, lässt sich nicht wirklich justieren und trampelt Kurven eher nieder, als dass er mit ihnen spielt.

RaceChip hat große Teile der Fadheit ausgemerzt und den RS 3 wirklich in die Tanzschule geschickt. Er lenkt jetzt viel williger ein, reißt sich förmlich in Richtung Scheitel und untersteuert im Prinzip gar nicht mehr. Lupf in der Kurve das Gas oder brems dich ein wenig ein und auf einmal kommt sogar der sonst so unmotivierte Hintern geflogen.

Okay, im Gegenzug rollt er relativ laut ab, gibt mehr Vibrationen durch sein Alcantara-Lenkrad und federt wie eine Bowlingkugel (was nicht so schlimm ist, weil der RS 3 schon ab Werk ein unleidig harter Hund ist), aber dieses Auto wirkt lebendig, ist aufregend und macht richtig Spaß. Er involviert dich plötzlich. So wie wir uns das vom RS 3 immer ab Werk gewünscht hätten.

Und obwohl er aussieht, als hätte irgendjemand mit einem gigantischen Vakuumierer auch das letzte Nanopartikel Luft aus den Radkästen gesaugt, geht das Ganze im Alltag tatsächlich gerade noch in Ordnung. Zumindest hatten wir im Test kein einziges dieser Frontschürzen-Randstein-Dates, das sich in etwa so angenehm anfühlt, wie zu kurz geschnittene Fingernägel auf einem Ziegelstein. Lediglich die Bremse wirkte – trotz neuer EBC-Beläge und der Stahlflex-Bremsleitungen – nach ein paar Stopps aus höheren Geschwindigkeiten etwas weich.

Sicher ist ein Auto, das so aussieht, lauter, als es für den sozialen Frieden zuträglich ist?

Laut ist vielleicht das falsche Wort. „Wundervoll“ trifft es besser. Am Sound hat der Tuner nämlich nichts geändert. Aus gutem Grund: RaceChips Promo-RS-3 hat Audis optionale Performance-Abgasanlage an Bord und klingt daher schon ab Werk wie ein brabbelndes, rotzendes, wild um sich schießendes Plädoyer für den Erhalt des Fünfzylinders.

Soll ich die Upgrades kaufen?

Wenn es nach uns geht, dann greift zu. Die Leistungssteigerung lässt einen zwar nicht völlig sprachlos zurück, aber der RS 3 wird messbar schneller und das zu einem mehr als fairen Preis. Was Audis Über-Hatch aber wirklich verwandelt, ist das großartige Fahrwerkssetup. Das KW-Clubsport-Fahrwerk kostet 3969 Euro, die OZ Ultraleggeras sowie die Michelin-Super-Sports kommen zusammen auf 3120 Euro. Eine Stange Geld, klar. Aber dafür kriegt man irgendwie auch ein neues Auto.

Autor: Stefan Wagner

Technische Daten RaceChip Audi RS 3: 2480 ccm, Fünfzylinder-Turbo, Frontmotor, Allradantrieb, 410 PS, 520 Newtonmeter, 0-100 km/h in 4,0 Sekunden, 280 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1595 Kilo, 8,2 Liter/100 km, 189 g/km CO2, 53.500 Euro (Basispreis Serien-RS-3) plus 12.018 Euro (komplettes Tuning inklusive Folierung) 

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