Was würdet ihr als erstes tun, wenn ihr ein 1 500-PS-Hypercar entwickelt? Vermutlich nicht unbedingt auf ein Getriebe verzichten, oder? 

Koenigsegg Regera 16 Feature 01

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der November/Dezember 2016-Ausgabe von TopGear Deutschland

Autor: Ollie Marriage / Fotos: Rowan Horncastle

 

Koenigsegg hat eine Zukunftsvision. In dieser Vision verfügen 1500-PS-Hypercars über Tarnvorrichtungen. Diese sind nicht nur entsetzlich effektiv (das Auto wird quasi unsichtbar), sie aktivieren sich auch nahezu ansatzlos. Genialerweise ist das System mit dem Gaspedal verbunden. Gehen wir also einfach mal davon aus, dass ihr gerade von einer tobenden Meute twitternder Supercar-Gangster durch eine postapokalyptische Stadt gehetzt werdet. Alles, was ihr tun müsst, ist euer rechtes Pedal um … naja … vielleicht 30 Prozent nach unten drücken. Was erscheint, ist eine herrlich weiße Wolke. Und alles, was sie auf Periscope zeigen, ist das Innere dieser dicken, beißenden Wolke, während irgendwo in weiter Ferne ein wütender T-Rex einen glücklosen Triceratops zur Strecke bringt.

Okay ernsthaft, ich habe noch nichts erlebt, was seine Reifen ähnlich frittiert wie der Koenigsegg Regera. Gar nichts. Da können sich die gewaltigen 345er-Michelins ins Zeug legen, wie sie wollen. Gegen die 2000-Newtonmeter-Drehmoment-Flut, die der Biturbo-V8 und gleich drei Elektromotoren erzeugen, sind die bemitleidenswerten Gummis absolut chancenlos. Es fühlt sich ein bisschen an, als wären wir auf Eis. Die Drehzahlen schießen nach oben und eine knappe Sekunde später kann ich Christian kaum noch sehen. Obwohl er genau neben mir sitzt (bedenkt man allerdings, wie wir hier drin wohl gerade aussehen – wie ein paar nackte, fleischige Kugeln – ist das mit der Fassade aus Rauch womöglich gar nicht so schlecht). 

 

Koenigsegg Regera 16 Feature 02

Ganz ehrlich, was wisst ihr über Koenigsegg? Die Frage ist durchaus berechtigt, weil es oft schwierig ist, mehr zu sehen als diese lächerlich großen PS-Zahlen und Höchstgeschwindigkeiten. Ihr wisst also vielleicht gar nicht, dass Koenigsegg die meisten seiner Carbonteile selber herstellt. Dass sie die ersten waren, die Carbon-Räder auf ein Serienauto geschnallt haben. Dass sie ihre eigenen ECU-Leiterplatten bauen. Sogar die Infotainment-Software machen sie selbst. Im Motor-Testlabor sitzt gerade ein revolutionärer 1,6-Liter-Turbo, der keine Nockenwellen hat. Und der ganze Irrsinn wird mit lediglich 110 Mitarbeitern bewerkstelligt. Wie Christian sagt: „Wenn wir für ein Problem nicht den richtigen Partner oder die richtige Lösung finden, dann machen wir es eben selbst.“

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