Der neue 720S hat alles, um Ferrari richtig weh zu tun ...

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Um zu verstehen, was dieses blutrote Gefährt mit den waghalsig öffnenden Türen für McLaren bedeutet, müssen wir zurück zu den Wurzeln. An den Anfang des Unternehmens. Und bitte hören Sie jetzt nicht gleich auf zu lesen, denn die Anfänge von McLaren in der jetzigen Form liegen gerade mal acht Jahre zurück (außerdem fasse ich mich kurz, versprochen). Alles begann 2009 mit der Vorstellung des MP4-12C. Und nein, es handelte sich dabei nicht um eine bahnbrechend dynamischen Vollwaschautomaten, sondern um McLarens Idee eines Ferrari-458-Konkurrenten. Als das Auto 2011 kam, ließ McLaren – ganz nerdiger Formel-1-Hersteller – verlauten, sie könnten wissenschaftlich beweisen, damit das beste Supercar der Welt gebaut zu haben. Leider wurde vor lauter Wissenschaft vergessen, dem besten Supercar der Welt etwas ähnliches wie Selbstironie einzuhauchen. Der 12C war eindimensional. Zu sehr auf Rundenzeiten und zu wenig auf Spaß aus.

Der folgende 650S war deutlich besser und noch viel schneller, wirkte verglichen mit einem 458 aber noch immer ein bisschen wie der käsige Fahrzeugbau-Ingenieur, dessen Frau seit Stunden dem virtuos stolzierenden Bademeister hinterherglotzt. Dann kam der 675LT. McLaren hatte inzwischen sehr viel über Selbstironie und Bademeister gelernt. Er war absolut phänomenal, verband klassische McLaren-Tugenden mit der richtigen Portion Humor. Leider war er unendlich teuer, stark limitiert und augenblicklich ausverkauft. Nun jedoch – jawohl, ich komme endlich zum Punkt – gibt es etwas ganz Neues. Sie sehen es oben in der Galerie. Es heißt 720S und will dort weitermachen, wo der 675LT aufgehört hat. Nur mit einem noch breiteren Spektrum, mehr Power und ohne Limitierung. Es würde mich nicht wundern, wenn das einige italienische Autohersteller mit Tieren im Logo ein wenig beunruhigt.

Für McLaren ist dieses Auto ein wahrer Meilenstein. Erstmals in der jungen Geschichte des Unternehmens wird eine existierende Baureihe abgelöst. Werkscode P14 (720S) ersetzt Werkscode P11 (12C, 650S, 675LT). Super Series Staffel 2. Und weil man sowas (einen Nachfolger) bei McLaren noch nicht hatte, kriegt der 720S alles ab, was man in Woking irgendwie an Expertise, Lerneffekt und "Jetzt zeigen wir den lieben Italienern mal, wie das richtig geht" finden konnte. Auch wenn ich nicht weiß, wer so etwas misst, aber 91 Prozent des Fahrzeugs sind neu. Und das Design ist radikal anders. Bisher kam die Schönheit eines McLaren zu großen Teilen aus seiner technischen Effizienz. Mit dem 720S haben die Briten nun endlich das Potenzial, Lamborghini in der Poster-über-dem-Bett-Skala vom Thron zu schubsen. In Fleisch und Blut ist das Auto wirklich atemberaubend schön. Irrsinnig flach und präsent. Ein sehniger, dramatischer Charmbolzen, aber kein aufgepumpter Prolet. Ein Supercar im besten Sinne also.

Ein verdammt leichtes obendrein. Hauptverantwortlich dafür: Ein neues Carbon-Chassis namens "Monocage II". Das badewannenartige Kohlefasergestell hört nun nicht mehr nach den Säulen auf, sondern umfasst erstmals eine Dachstruktur. Dadurch können besagte Säulen dünner ausfallen, Sie kommen viel besser rein und sehen auch viel besser raus aus Ihrem Supercar. Ehrlich gesagt werden Sie besser raus sehen als in jedem anderen Supersportler, aus dem Sie bisher herausschauen durften. Überhaupt der Innenraum: Qualitativ und optisch ist das – mit Ausnahme der nach wie vor schrecklichen Sitzverstellung – ein großer Schritt nach vorne. Mit einem Infotainment, das jetzt tatsächlich auch funktioniert. Und mit herrlichen Gimmicks wie den irre weit ins Dach gezogenen "Flügeltüren", dem sichtbaren Carbonrahmen oder einem Instrumentendisplay, das im Trackmodus zu einer Art Schlitz umklappt, der nur noch die wirklich relevanten Infos (Drehzahl, Tempo, Gang) anzeigt. Ja, nicht nur in Norditalien können sie Theater.

Steifer und leichter ist die ganze Nummer natürlich auch geworden. Der 720S wiegt trocken lediglich 1.283 Kilo, 18 Kilo weniger als der 650S. Ergänzen Sie das Ganze um Flüssigkeiten und einen Fahrer und sie kommen auf ein Norm-Gewicht von etwa 1.480 Kilo. Leichtes Spiel also für den neuen 4,0-Liter-Biturbo-V8, der im Vergleich zum bisher verwendeten 3,8-Liter-Aggregat mit mehr als 40 Prozent Neuteilen daherkommt. Turbos, Ladeluftkühler, Zylinderköpfe, Kolben, Kurbelwelle, Auspuff – alles neu. Außerdem sitzt er zwölf Zentimeter tiefer drin im 720er. Die Leistung steigt auf irre 720 PS, das Drehmoment auf noch viel irrere 770 Newtonmeter. 0-100 km/h gehen nun in 2,9 Sekunden, aber es sind die 0-200- und 0-300-Werte, die wirklich schockieren. Nach 7,8 Sekunden steht die Zwei auf dem Tacho. Eine halbe Sekunde (!) früher als beim Ferrari 488. Sind Sie und Ihr rechter Fuß mannhaft genug, fliegt genau 12,6 Sekunden später die 300 vorbei (falls Sie keine Lust zu rechnen haben: Das wären dann 21,4 Sekunden). Die Höchstgeschwindigkeit: leicht schwindelerregende 341 km/h.

 

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