900 Nm, 3,5 Sek. auf 100 km/h und mehr Luxus als ein Königspalast – der neue S 63 ist ein absoluter Freak. Aber macht er auch Laune?

  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 1
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 2
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 3
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 4
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 5
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 6
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 7
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 8

Ein neuer S 63 AMG. Gangster. Wie kommt's?

Nun, die S-Klasse hat gerade ihr großes Facelift gekriegt. Da hat man den S 63 eben gleich mit durch den Update-Wolf gedreht. Die normalen S-Klassen setzen mit dem 2017er-Jahrgang auf noch mehr Autonomie und auf ganz neue, deutlich sparsamere und vernünftigere Motoren. Mehr Selbstfahr-Technik kriegt der 63er auch, mit der Vernunft hat er es dagegen eher nicht so. Na gut, einen neuen und sparsameren Motor gibt es auch hier. Aber der hat acht Zylinder, zwei Turbos und 612 PS. Nochmal 27 mehr als der alte 5,5-Liter-Biturbo-V8. Ebenfalls dabei: ein nagelneuer, vollvariabler Allradantrieb, ordentlich Performance-Training für das elitäre Luftfahrwerk und absolut hanebüchene Fahrleistungen.

Wie hanebüchen?

Nun, was sagt ihr zu 3,5 Sekunden von 0-100 km/h und optionalen 300 km/h Höchstgeschwindigkeit? Und ja, das hier ist ein knapp 5,30 Meter langer Luxusdampfer, der beinahe 2,1 Tonnen wiegt. Und ja, ein Porsche 997 GT2 RS wird euch an der Ampel nicht davonfahren. Ich weiß, es klingt komplett Banane und ziemlich genau so fühlt es sich auch an. Schuld ist der neue 4,0-Liter-Biturbo-V8 mit Zylinderabschaltung, den ihr bereits vom AMG GT und diversen 63er-C-Klassen kennt. Im aktuellen E 63 sorgt er seit ein paar Monaten ebenfalls für akute Risse im Raum-Zeit-Kontinuum. Jetzt darf er auch im Flaggschiff für offene Münder und weit aufgerissene Augen sorgen. Nur mit nochmal 50 Newtonmeter mehr. 900 sind es an der Zahl.

Aber hat der S 65 nicht noch mehr Dampf?

Ja, beängstigenderweise hat er das. Sein Sechsliter-Biturbo-V12 bringt es wie bisher auf 630 PS und 1000 Newtonmeter. Aber er ist viel schwerer und ausschließlich mit Heckantrieb zu haben. Ergo ist er ein gutes Stück langsamer, behäbiger, geschmeidiger.

Der geschrumpfte V8 hingegen reißt extrem humorlos an. Genau das sorgt für verflucht gute Unterhaltung. Wo sich die Nadel im Drehzahlmesser gerade befindet, ist dabei ziemlich Wurst. Dieser Motor hat keine Zeit für Banalitäten wie Leistungsentfaltung. Folglich entfaltet hier eher wenig, einfach weil alles schon da ist. Wahnsinnig viel davon. Und man muss irgendwann einfach nur noch lachen. Vermutlich, weil sich der eigene Magen immer gut 100 Meter hinter dem Auto befindet und sich sowas ziemlich komisch anfühlt.

Der neue S 63 ist also ziemlich schnell. Überraschung ...

Okaaay, ich gebe zu, so wirklich überraschend kommt das jetzt nicht. Wobei er sich wirklich nochmal deutlich schneller anfühlt als das alte 5,5-Liter-Biest. Dem nimmt er bis 100 km/h ja auch 0,5 beziehungsweise 0,9 Sekunden (alter S 63 mit Heckantrieb) ab. Der Vortrieb ist wirklich erschreckend.

Aber Schluss damit, denn dieses Auto kann deutlich mehr als vier Menschen auf der Geraden das Gesicht zu deformieren (und mächtig Eindruck in Rap-Videos zu schinden). Das irre am neuen S 63 ist sein gewaltiges Repertoire. Die neue Neungang-Speedshift-Automatik zum Beispiel kann butterweich und doppelkupplungsschnell. Schon im E 63 wurde sie zurecht gepriesen. Hier darf man gerne das Gleiche tun. Der Klang kann Luxuslimo-leise (mit leichten Rambazamba-Tendenzen von ganz weit hinten im AMG-Maschinenraum), ist in Sport Plus aber genauso gut in der Lage, euch mit der ganz großen V8-Kettensäge die Lauscher abzumontieren.

  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 9
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 10
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 11
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 12
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 13
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 14
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 15
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 16
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 17
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 18
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 19
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 20
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 21
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 22
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 23
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 24
  • 180x100 Towidth 85 Mer S 18 Amg63 Test 25

Ein echtes Chamäleon also. In der Kurve aber wohl eher ein Elefant ...

Nicht so voreilig. So richtig interessant – zumindest für die knapp 1,5 Prozent der Kundschaft, die auch mal abseits der Geraden schnell fährt – wird es nämlich, wenn wir uns näher mit dem Fahrwerk beschäftigen. Bisher gab es den S 63 entweder als Hecktriebler (ein ziemlicher Hooligan) oder als Allradler mit fester Verteilung (traktionsstark, aber nicht sehr lebendig).

Nun jedoch ist Affalterbach auf die glorreiche Idee gekommen, der sportlichsten S-Klasse den variablen Allradantrieb des E 63 zu gönnen. Als einzige Alternative. Und Hand in Hand mit einigen sehr willkommenen Fahrwerksoptimierungen. Okay, die wegschaltbare Vorderachse, die den E 63 auf Knopfdruck zum reinen Hecktriebler macht, muss leider draussen bleiben (sehen wir es ein, es wäre im S-Benz äußerst erstrebenswert, aber einfach nicht richtig gewesen). Allerdings kriegt dieses Auto eine eigene Vorderachskinematik mit größeren Sturz, einen dickeren Stabi sowie Versteifungen an der Hinterachse. Das Luftfahrwerk ist ebenfalls straffer, kann aber unabhängig von den übrigen Fahrmodi in zwei Stufen (Comfort und Sport) eingestellt werden.

Und jetzt ist er plötzlich eine Lotus Exige, oder was?

Ähm … nein. Aber was dieses Dickschiff ist, ist ein totaler Freak. Das ist ausschließlich positiv gemeint. Klar, bleib im Comfort-Modus und der AMG S 63 liefert dir genau das, was du von einer 600-PS-S-Klasse erwartest: Einen irre schnellen fliegenden Teppich, der weitgehend autonom fährt und dir jeden Komfort-Wunsch von den Lippen abliest. Ein bisschen straffer, kantiger, haudraufiger vielleicht, aber immer noch verdammt sänftig.

Tja, und dann zupfst du zweimal am Modus-Rädchen, solange bis „Sport Plus“ das neue Mega-Display (die zwei 12,3-Zoll-Bildschirme sind mit dem Facelift zu einer gigantischen Kinoleinwand verschmolzen) rot eingefärbt hat, und der überpotente Chauffeurs-Rennwagen setzt sich in Nullkommanix die Teufelshörner auf.

Ähnlich wie beim großartigen E 63 fühlt man richtig, wie das AMG-Fahrwerkstuning dem Dicken auf die Sprünge hilft. Klar, das hier wird immer eine S-Klasse bleiben, mit sehr leichter, weitgehend gefühlloser Lenkung, plüschigen Sitzen und überall Gewicht. Aber irgendwie hat der 63er spürbar an Einstellung gewonnen. Wankt weniger, hat seinen mächtigen Leib besser im Griff. Und er verfügt jetzt über einen Allradantrieb, dessen Abstimmung und Balance Mercedes-AMG – wie schon beim E 63 – so gut hinkriegt, wie niemand sonst derzeit. Sehr gripstark, trotzdem hecklastig-verspielt. Ich meine: Es macht tatsächlich Spaß, dieses Auto durch eine schnelle enge Abfolge von Kurven zu feuern. ESP aus (jetzt ein echter Knopf, kein Punkt im siebzehnten Untermenü) und einer der dicksten Hintern im Business rutscht auch mal seitwärts ums Eck. Sieht sicher beängstigend aus, funktioniert aber mühelos und sehr natürlich.

Also ist der S 63 jetzt ein echtes Fahrerauto?

Zumindest mehr als bisher. Ich sage es nur ungern, aber das hier ist ein Kracher von Performance-Dampfer. Weniger exakt, aber wilder als ein Panamera Turbo. Der neue S 63 schmeckt jetzt mehr nach AMG und trotzdem gibt es klassische Mercedesness im Überfluss. Dass das alles ordentlich SuperPlus wegschlürft, wenn man mal dynamischer untergwegs ist, dürfte klar sein. Eine 17 auf den Bordcomputer zu zaubern, ist zumindest keine allzu große Kunst. Und für all die Power, die neugewonnene Querdynamik und den üblichen Mercedes-Luxus muss man freilich auch ganz tief in die Tasche greifen. 160.293 Euro tief, um genau zu sein. Zum Vergleich: Der BMW M760 Li (allerdings mit V12) kostet ab 171.800 Euro, der Panamera Turbo ab 155.748 Euro. Wenn ihr maximal Limo maximal loco wollt, führt aber wohl kein Weg am neuen S 63 vorbei.

Autor: Stefan Wagner

Technische Daten Mercedes-AMG S 63 4Matic+: 3982 ccm, V8-Biturbo, Frontmotor, Allradantrieb, 612 PS, 900 Newtonmeter, 9-Gang-Automatik, 0-100 km/h in 3,5 Sekunden, 250 km/h (optional 300 km/h) Höchstgeschwindigkeit, 2070 Kilo, 8,9 Liter/100 km, 203 g/km CO2, Preis 160.293 Euro

Top News

Zum Seitenanfang